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Einleitung.

1. Die römischen Dichter sind Nachahmer der Griechen. Wenn sie auch nicht überall ihre Vorbilder erreicht haben, so haben sie doch nicht nur ihrem Volke, sondern auch späteren Geschlechtern die kostbaren Geistesschätze der griechischen Litteratur vermittelt und in mehr oder weniger vollkommenem Abbild vieles erhalten, was sonst unwiederbringlich verloren gewesen wäre.

Auch für die Elegie fanden die römischen Dichter Anregung und Muster bei den Griechen. Aber auf keinem Gebiete haben sie mehr Selbständiges geleistet.,,Elegia Graecos provocamus", sagt Quinctilian (X, 1, 93).

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Anfänglich soll die Elegie (λɛyou, von den Alten abgeleitet von vaeλéyev) ein zur Flöte gesungenes Klagelied gewesen 2 sein. Doch wurden nach und nach alle Stoffe in der Form der Elegie behandelt. Bald verstand man unter elegi, elegía (èhɛyɛía noinois) nur Dichtungen im elegischen Versmafs, dem Distichon d. h. dem mit einem Pentameter verbundenen Hexameter. Doch unterscheidet sich die Behandlung des Stoffes immer noch merklich von der im epischen Versmafs: die Elegie läfst die Persönlichkeit des Dichters, seine Empfindungen und sein Streben mehr hervortreten, sie ist mehr subjektiv im Gegensatz zum objektiven Epos.

Unter den älteren Dichtern der Griechen sind als Elegiker zu nennen Kallinus, Tyrtaeus, Mimnermus, Solon, Theognis. Doch haben diese wenig Einfluss auf die Römer geübt. Als unter den Ptolemäern in Alexandria eine Nachblüte griechischer Poesie sich entwickelte, wurde hier besonders die Elegie und zwar

die Liebes-Elegie gepflegt. Vor allen hat Callimachus bei seinen Zeitgenossen grofsen Beifall gefunden. Er stammte aus dem Geschlecht der Battiaden in Cyrene, lebte um das Jahr 250 v. Chr. und war Vorsteher der berühmten Bibliothek in Alexandria. Die Alexandrinischen Dichter, meist zugleich bedeutende Gelehrte, haben, wie überhaupt in die Dichtung, so auch in die Elegie das Prunken mit Gelehrsamkeit eingeführt: mythologisches, historisches, geographisches Wissen wird bald mit breitem Behagen auseinander gelegt, bald in kurzen Anspielungen gestreift.

Von den Alexandrinern empfingen die römischen Elegiker zunächst ihre Anregung: in Übersetzung und bewufster Nachbildung haben sie sich geschult, aber immer freier über ihre Vorbilder erhoben.

2. Der älteste unter den römischen Elegikern ist C. Valerius Catullus, geboren im Jahre 87 v. Chr. in Verona, aus angesehener und wohlhabender Familie. Den gröfseren Teil seines Lebens brachte er in Rom zu, wo er mit gleichgesinnten, ernst strebenden Freunden in regem Verkehr stand. Hier trafen ihn zwei Schicksalsschläge, deren tiefen Eindruck auf ihn seine Dichtungen wiederspiegeln: der Tod eines fern von der Heimat in Troas verstorbenen Bruders und die Enttäuschung über eine heifs geliebte Frau, die er als eine Unwürdige erkennen mufste. Unter dem Namen Lesbia erscheint sie in seinen Liedern, ihr wahrer Name war Clodia; sie war eine Schwester des berüchtigten Volkstribunen P. Clodius Pulcher. Catull starb jung um das Jahr 54 v. Chr., wahrscheinlich in seiner Heimat, ohne sein schönes Talent zu voller Reife entwickelt zu haben. Aufser einigen Elegieen besitzen wir von ihm kleinere lyrische Gedichte, Epigramme und eine epische Erzählung. Seine Sprache zeigt noch nicht die Leichtigkeit und den Schliff seiner Nachfolger, seine Verse haben mancherlei Eigentümlichkeiten, z. B. zahlreiche Spondäen (auch im fünften Fufs) und häufige Elisionen.

3. Für den vollendetsten unter den Elegikern hielten die Alten den Albius Tibullus, geboren um das Jahr 54 v. Chr.; sein Geburtsort ist unbekannt, aber er kam schon jung nach Rom. Innige Freundschaft verband ihn mit dem als Feldherr wie Redner gleich angesehenen M. Valerius Messalla. Diesen

begleitete er im J. 31 auf seinem Feldzug gegen die Aquitanier und im folgenden Jahre beabsichtigte er mit ihm in den Orient zu gehen. Doch mufste er wegen schwerer Krankheit auf Corcyra zurückbleiben. Von derselben genesen kehrte er nach Rom zurück; erst im J. 27 sah er den triumphierend heimkehrenden Messalla wieder. Auch er ist jung gestorben, im J. 19 v. Chr.; Ovid hat ihm eine tief empfundene Totenklage (Anthol. II, 7) gewidmet. Tibull hat sich unter den römischen Elegikern von den Verirrungen der Alexandriner am meisten fern gehalten; seine Elegieen, meistens Liebes - Elegieen, zeigen zarte Innigkeit, tiefes Naturgefühl und eine die Berührung mit dem rauhen Leben ängstlich scheuende Natur. Wir haben vier Bücher Elegieen unter seinem Namen; doch sind dieselben zweifellos nicht alle echt.

4. Ein etwas jüngerer Zeitgenosse des Tibull war Sextus Propertius, geboren um das Jahr 49 v. Chr. in Asisium, einer kleinen Stadt Umbriens, aber in Rom aufgewachsen. Hier gehörte er dem Dichterkreise an, welchen Mäcenas um Augustus versammelte mit Ovid und Vergil, dem Dichter der Aeneis, stand er in freundschaftlichem Verkehr. Er starb um das Jahr 15 v. Chr. Von ihm sind fünf Bücher Elegieen vorhanden, welche fast sämtlich die Liebe zum Gegenstand haben. Properz steht ganz unter dem Einfluss der Alexandriner: seine Lieder voll männlichen Feuers und in kräftiger, schöner Sprache geschrieben, sind oft wegen Häufung gelehrter Anspielungen und anderer Künsteleien schwer verständlich.

5. Der Dichter der Metamorphosen, Ovid, bevorzugte das elegische Versmafs. Er wandte es nicht nur in elegischen Dichtungen kleineren Umfangs (eigentlichen Elegieen), sondern auch in gröfseren Werken erzählenden und lehrhaften Inhalts an.

P. Ovidius Naso wurde geboren im J. 43 v. Chr. in Sulmo im Lande der Päligner; er gehörte einem alten Rittergeschlecht an. Schon früh wandte er sich der Dichtkunst zu und wurde ein Meister in der Behandlung des Verses, der Kunst der Darstellung und der Schilderung des menschlichen Herzens. Er lebte in Rom in glücklichen Verhältnissen, in freundschaftlichem Umgang mit den vornehmsten und bedeutendsten Männern seiner Zeit, sorgenfrei und mit offnem Auge und Herzen für alle die

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